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{ Talk About } Wir sind mehr

{ Talk About } Wir sind mehr

{ Talk About } Wir sind mehr

Ich muss ungefähr vierzehn Jahre alt gewesen sein, als ich meiner damaligen Internetbekanntschaft und liebsten Chatfreundin (wir verstanden uns so gut! Wir mochten die gleichen Serien, hörten die gleiche Musik und vergötterten die selben Stars. Sogar unsere Tumblr-Blogs waren sich verblüffend ähnlich. Ich sage nur Katzenbilder und Schokolade…) voller Begeisterung von einem Onlinespiel erzählte, welches ich kürzlich entdeckt hatte. Es hieß Aion und war ein typisches, asiatisches MMORPG. Das Besondere daran war jedoch, dass man mit seiner Figur fliegen konnte, was ich großartig fand. Eine Zeitlang war ich deswegen völlig vernarrt in dieses Spiel und schaffte es sogar bis Level 40 oder so. Als ich mein Macbook bekam, ließ sich Aion allerdings nicht mehr installieren. (Manchmal trauere ich noch heute um meine Magierin, der ich mit so viel Mühe ein tolles Outfit und ein Haustier erspielt hatte. Seufz…)

Jedenfalls wollte ich meine Freundin unbedingt dazu bewegen, das Spiel ebenfalls zu laden, damit wir gemeinsam zocken konnten. Schließlich sagte sie jedoch etwas, was mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist:

„Mensch Caro! Das ist ja eine ganz neue Seite von dir!“

Im ersten Moment schmeichelte mir die Aussage. In gewisser Weise tut sie das noch immer. Ich fand es toll, mein Umfeld zu überraschen, selbst wenn der Grund dafür eine solch banale Angelegenheit war. Durch diesen Ausdruck der Verwunderung fühlte ich mich plötzlich besonders, facettenreich, irgendwie ein bisschen rebellisch und verwegen, weil ich anscheinend Dinge tat, die man mir nicht zutraute. Der Kontakt zu besagter Freundin brach irgendwann ab. Wieso weiß ich gar nicht so genau, doch ich schätze, unsere Interessen verschoben sich in unterschiedliche Richtungen. Den oben genannten Satz von ihr habe ich jedoch nie vergessen, obwohl ich mich erst Jahre später zu fragen begann, was eigentlich der Grund für die Verwunderung war. Ist es wirklich so abwegig, dass sich eine Person für Mode, Literatur UND Computer gleichzeitig interessiert?

Manchmal habe ich das Gefühl, unsere Gesellschaft duldet keinen Tiefgang mehr. Jeder muss in eine Schublade passen und ein bestimmtes Klischee erfüllen, um Anerkennung zu bekommen. Das sieht man bereits daran, dass es auf Instagram nur noch Feeds gibt, die entweder Mode ODER Bücher ODER Fotografie behandeln. Nie aber UND. Jaja, die Zielgruppe, ich weiß. Trotzdem. Ich (Pardon) scheiße auf die Zielgruppe und poste das, was mir gefällt! Auch, wenn ich anders vielleicht mehr Follower haben könnte.

Ich weigere mich, mich in eine bestimmte Kategorie stecken zu lassen. Ist das mutig? Unerhört? Wunschdenken? Keine Ahnung. Klar ist nur, dass mich die ewigen Vorurteile, das Gefühl, sich angleichen zu müssen, schrecklich anöden.

Du liebst Kosmetik und Mode? Dann bist du hohl und oberflächlich. 

Du liest gerne und viel? Wahrscheinlich hast du keine Freunde und sitzt den ganzen Tag nur zuhause. 

Du kannst deinen Computer selbst reparieren? Als Technikfreak fehlt dir jegliches Gespür für Ästhetik. 

Du spielst gerne Videogames? Igitt, du bist ungepflegt und computersüchtig! 

Fällt dir etwas auf? Genau, das ist absoluter Blödsinn! Warum darf ich mich nicht hübsch machen und mich trotzdem mit Technik auskennen? Wir sind so viel mehr. In uns steckt unendlich viel Potenzial, Talente von denen wir vielleicht noch gar nichts ahnen, die es erst zu entdecken gilt. Ich habe Vorurteile satt und möchte der Welt zeigen, dass ich viele Facetten habe. Machst du mit?

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10 Comments

  • Reply
    Tabea
    Mai 7, 2016 at 8:26 pm

    Was für ein wundervoller Post!
    Ich kann gut verstehen, wie es dir gefallen hat, zu erkennen, dass zu facettenreich bist! Ich überrasche auch gern Personen 😉
    Und was das Zielgruppenthema anbelangt – ich lasse mich da auch nicht in eine Schublade stopfen. Mein Blog soll meine Persönlichkeit haben und die ist halt nicht auf einen Aspekt beschränkt. Ich will schreiben können, was mir gerade in den Sinn kommt – und das zu jedem Zeitpunkt! 🙂

    So… ich muss deinen Post jetzt erst mal auf Twitter teilen und für meine Monatsfavoriten abspeichern 😉
    Liebe Grüße

    • Reply
      Carolin
      Mai 8, 2016 at 9:16 pm

      Vielen Dank! Es war mir schon lange ein Anliegen, einen Beitrag zu diesem Thema zu verfassen und es freut mich natürlich zu hören, dass es Leute gibt, die ähnlich denken. 🙂 Es macht so viel mehr Spaß, über viele unterschiedliche Themen zu schreiben und sich nicht ständig von der Zielgruppe beeinflussen zu lassen.
      Danke auch fürs Teilen! <3

  • Reply
    Neri
    Mai 8, 2016 at 9:05 pm

    Da sprichst du sicherlich vielen Mädels aus der Seele. Ich liebe Fußball und bin auch sehr technikaffin und trotzdem ein typisches Mädchen. Das eine schließt ja das andere nicht aus.

    Neri

    • Reply
      Carolin
      Mai 8, 2016 at 9:21 pm

      Ja, ich bin auch der Ansicht, dass man viele Interessen haben kann. 🙂 Danke für deinen Kommentar!

  • Reply
    Lilo
    Mai 9, 2016 at 1:22 pm

    Hey 🙂

    Ich hab deinen Post gerade entdeckt und ganz ehrlich? Er hat mir ein richtiges Lächeln auf die Lippen gezaubert, denn genau dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt und tut es auch immer noch. Dieses Schubladendenken von so vielen Menschen, das ist einfach so traurig :/ Mir gefällt gut, wie du diese Situation ausgedrückt hast 🙂

    Liebe Grüße,
    Lilo

    • Reply
      Carolin
      Mai 10, 2016 at 9:52 pm

      Awww, wie süß! Ich freue mich gerade sooo sehr über deine Worte, denn immerhin ist genau das meine Intention; den Menschen ein Lächeln zu entlocken. 🙂

  • Reply
    Jana
    Mai 9, 2016 at 9:28 pm

    Ein wirklich guter Beitrag, der mal so typische Klischees anspricht und das noch verpackt mit deiner eigenen Meinung und wie du eben auch bist – nämlich vielfältig!
    Finde es auch traurig, wenn auf manchen Blogs ausschließlich über Mode ODER Beauty ODER Food geschrieben wird, denn mir gefällt besonders die Abwechslung. Natürlich kann man vielleicht nicht alles umfassen, weil man mit Beauty & Mode (so wie ich) jetzt nicht so befangen bin, aber ich versuche schon abwechslungsreich zwischen Bücher, Serien, Filme, Privatem und Fotografie (manchmal auch Rezepte :D) zu variieren.

    • Reply
      Carolin
      Mai 10, 2016 at 10:47 pm

      Ich finde einfach, man sollte immer das machen, was einem Spaß macht. Ist doch völlig ok, wenn du mit Mode und Kosmetik nicht so viel anfangen kannst. Ich beispielsweise poste fast nie Rezepte. Bin einfach keine Küchenfee. 😀

  • Reply
    Clara
    Mai 11, 2016 at 2:13 pm

    Danke für diese wunderschönen Worte, es ist richtig schön, dass du diese Meinung hast und ich teile sie zu 100%. Wir sollten am besten alles sein. <3 Und genau so, wie wir sein wollen und nicht wie andere es möchten! <3

  • Reply
    Malika
    Juni 6, 2016 at 11:16 am

    Du hast so recht mit dem, was du sagst! Ich werde auch (in der Schule vor allem) immer in die eine Schublade gesteckt: Streberin, gut in der Schule und sehr engagiert (Stufensprecherin etc.), kann ihre Meinung sagen und ist halt so am machen. Dass ich trotzdem Freunde brauche, dass ich extrem darunter gelitten habe, dass sich niemand mit mir „normal“ unterhalten konnte, da sie dachten, ich sei dazu nicht fähig, ist kaum jemandem aufgefallen. Diese Akzeotanz, dass Menschen viele Facetten haben können, fehlt überall! Ich werde nie das Gesicht meiner Mitschüler vergessen, als sie mich Karneval gesehen haben. Dass sie dachten, ich sei nicht dazu fähig, mich zu verkleiden und einen Tag lang einfach nur Spaß zu haben, macht mich irgendwie traurig 😀 Inzwischen kann ich darüber lachen, die Schule ist vorbei, aber trotzdem hinterlässt so ein Verhalten irgendwas…
    Danke für diesen ehrlichen und so richtigen Post!♥

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