Buddy Read mit Julia: Gedanken zur Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo

Leigh Bardugo ist eine meiner Lieblingsautorinnen und mit Grischa – Goldene Flammen schaffte die Schriftstellerin es vor etwa vier Jahren, mich für ihre fantasievolle Fantasywelt zu begeistern. Tatsächlich bin ich nämlich kein großer Freund von High Fantasy und fühle mich, wenn es um Literatur geht, vielmehr zu Science Fiction, Urban Fantasy oder dem Contemporary-Genre hingezogen. Deswegen begegnete ich Grischa damals zunächst mit Skepsis und kaufte mir das Buch eigentlich nur, da einige, von mir sehr geschätzte, Bloggerinnen so begeistert von der Reihe berichteten. Der Hype war damals allerdings noch nicht so groß, wie jetzt. Ich gab der Trilogie also eine Chance und habe es nicht bereut!

Grischa zählt heute zu meinen absoluten Lieblingsreihen, noch vor The Hunger Games oder den Luna-Chroniken. Außerdem ist Leigh Bardugo eine Meisterin darin, ihr eigenes Universum ständig zu erweitern und zu ergänzen. Six of Crows, The Language of Thorns – ich liebe jedes ihrer Bücher! Erst kürzlich ist mit King of Scars eine weitere Geschichte aus dem Grishaverse erschienen. Da in diesem Buch eine Figur aus der ursprünglichen Trilogie die Hauptrolle übernimmt, bot sich ein Reread nun natürlich an. Ich hatte ohnehin schon länger vorgehabt die Reihe erneut zu lesen. Allerdings fehlte mir bisher etwas der Ansporn dafür. Als Julia mir jedoch erzählte, dass sie den Schuber zu Weihnachten bekommen hat, fragte ich sie, ob sie Lust auf einen Buddy Read hätte.

Also haben wir Grischa zeitgleich gelesen – Julia zum ersten Mal, ich als Reread – und die Reihe innerhalb von drei Wochen regelrecht verschlungen. Ich war selbst überrascht über das Tempo, doch es hat einfach großen Spaß gemacht, sich nach jedem Kapitel ausführlich über dessen Entwicklungen auszutauschen und zu diskutieren. Die Bücher haben es geschafft, uns beide zu überraschen, weswegen Julia und ich unsere Gedanken in einem ausführlichen Artikel festhalten mussten.

Buddy Read mit Julia: Gedanken zur Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo

Das sage ich

Die rosarote Brille? Angst vor dem Reread

Als ich Grischa zum ersten Mal las war ich süße 17 Jahre alt. Natürlich hat sich mein Buchgeschmack seitdem etwas verändert. Beispielsweise lese ich mittlerweile nicht mehr ganz so viele Liebesromane und betrachte die meisten Bücher viel kritischer im Bezug auf Klischees, Rollenverteilung o. Ä. Ich hatte daher Bedenken, ob mir die Grischa-Trilogie beim erneuten Lesen noch so gut gefallen würde. Vielleicht trug ich ja nur eine rosarote Brille und betrachtete die Bücher mit einer gewissem Verklärtheit, der sie unmöglich gerecht werden konnten? Was, wenn mir plötzlich Details auffielen, die ich überhaupt nicht gut fand? Oder wenn mir meine Lieblingscharaktere fremd erschienen? 

Trotzdem war ich gespannt auf den Reread, denn obwohl ich die Handlung noch ganz gut im Kopf hatte, waren mir einige Kleinigkeiten bereits entfallen oder ich konnte mich nur noch verschwommen an gewisse Zusammenhänge erinnern. 

Zurück nach Rawka – Eine neue Sichtweise 

Schließlich fühlte es sich aber wunderbar an, nach so langer Zeit wieder in die magische Welt von Rawka einzutauchen. Deren Mythologie und Regeln nochmal ganz neu zu erleben. Ich hätte nicht gedacht, dass die Bücher es erneut schaffen würden, mich zu überraschen. Doch das haben sie! Beim zweiten Mal war Grischa nämlich anders, als ich die Story in Erinnerung gehabt hatte, jedoch kein bisschen schlechter. 

Allerdings habe ich auch eine völlig neue Sichtweise auf die Beziehung zwischen Alina und dem Darkling erhalten. Zuvor betrachtete ich den Darkling als ganz normales Love Interest für unsere schöne Heldin – der mysteriöse Typ, welcher insgeheim einen weichen Kern besitzt. Mit Maljen wurde ich nie so richtig warm, weswegen ich mich freute, als sich der Darkling und Alina im Laufe des ersten Teils annäherten. Während des Buddy Reads mit Julia wurde mir aber klar, wie überstürzt und unnatürlich diese Verbindung ist. Plötzlich fand ich das Ganze nicht mehr so romantisch und stand jeder Szene zwischen diesen beiden Figuren kritisch gegenüber. Trotzdem finde ich die Beziehung der beiden unglaublich faszinierend, da sie sich im Laufe der Trilogie eingestehen müssen, wie ähnlich sie sich, trotz unterschiedlicher Absichten und Beweggründe, sind. Bardugo schafft es, eine tiefgreifende Bindung herzustellen, die rein gar nichts mit Kitsch oder märchenhafter Romantik zu tun hat. 

Zu meiner eigenen Verwunderung musste ich feststellen, dass Band 1 sich noch ziemlich vieler Klischees und Stereotypen bedient. Die Situation im Little Palace beispielsweise gleicht zeitweise einem High School Drama. Das hat mich sehr überrascht, da der Auftakt der Reihe in der Vergangenheit immer mein Liebling war. 

Nun hat sich diese Wahrnehmung aber sehr verändert und ich würde, genau wie Julia, den zweiten Band als meinen Lieblingsteil bezeichnen. Heute gefällt mir die düstere Stimmung der Fortsetzungen viel besser, denn als Leser erhält man so einen viel besseren Einblick in das Grischa-Universum, welches mit jedem Buch wächst. 

Außerdem feiere ich die Entwicklung, die Alina im Laufe der Geschichte durchmacht. Sie ist keine perfekte Heldin im schillernden Gewand, die nur edelmütig handelt. Alina hat mit ihrer Macht zu kämpfen und manchmal verhält sie sich unberechenbar, gibt sich ihrer dunklen Seite hin. Besonders in Band 2 ist eine deutliche Veränderung ihrer Persönlichkeit zu spüren. Diese Veränderung ist nicht immer positiv, macht Alina aber zutiefst menschlich. Auch die Nebencharaktere sind keineswegs langweilig und wuchsen mir im Laufe der Reihe sehr ans Herz. Genja mochte ich ohnehin von Anfang an sehr gerne, aber sie beweist unglaubliche Stärke und wird zu einer wichtigen Verbündeten. Genau wie Sturmhond, der mit seiner humorvollen Art mein persönliches Highlight der Reihe darstellt!

Ich bin unglaublich erleichtert darüber, dass mich die Grischa-Trilogie nach vier Jahren noch immer begeistern kann und ich sie nach wie vor aus vollster Überzeugung als meine Lieblingsbücher bezeichnen kann! Der Reread hat mich keineswegs enttäuscht. Obwohl ich manche Aspekte der Handlung mittlerweile kritischer betrachte und mir klar geworden ist, dass sich die Story (zumindest anfangs) gar nicht so sehr von anderen Fantasyromanen abhebt, liebe ich diese Bücher! Leigh Bardugo steigert sich mit jedem Teil etwas mehr. Ihre Welt ist glaubwürdig und versteht es, mich zu überraschen. 

Buddy Read mit Julia: Gedanken zur Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo

Das sagt Julia

Hohe Erwartungen

Als ehemalige Buchbloggerin sagen mir die derzeit gehypten Autorinnen in der Buchblogger-Blase natürlich etwas: Sarah J. Maas, Colleen Hoover, V. E. Schwab, Angie Thomas, und eben auch Leigh Bardugo. Ich hatte bis vor kurzem keines ihrer Bücher gelesen, wollte dies aber schleunigst ändern. Aus diesem Grund wünschte ich mir den englischen Schuber der Shadow and Bone-Trilogie zu Weihnachten.

Ich erwartete alles, aber auch nichts. Es muss schließlich einen Grund geben, wieso die Bücher in den Himmel gelobt werden. Aber ich hatte ein bisschen Angst diesen Grund zu suchen, und allenfalls nicht zu finden. Angst, jede Seite mit dem Hintergedanken Ist es das? Finden es deshalb alle so toll? zu lesen oder ganz am Ende zu denken: Hm, was für eine Zeitverschwendung.

Aber eigentlich erwartete ich nur eines: Unterhaltung. Ich hatte keine Lust mich durch drei Bücher zu kämpfen, bei jeder Seite Sei doch bitte endlich vorbei zu denken und bei jedem zweiten Wort die Augen zu verdrehen. Ich wollte einfach nur unterhalten werden.

Wird die Reihe dem Hype gerecht? – Julias Fazit der Reihe (spoilerfrei)

Schließlich begannen Caro und ich Anfang Januar mit unserem Buddy Read von Shadow and Bone und diskutieren fleißig über das Buch. Alina empfand ich als einen interessanten Charakter, während Maljen mir nicht ganz so sympathisch war. Der Darkling war mir etwas zu düster und perfekt. Den Plottwist hatte ich nicht wirklich kommen sehen, mochte aber die Entwicklung der Geschichte sehr. Alina büßte zwischendurch Sympathiepunkte ein und Mal blieb nervig bis zum Schluss, aber die eigentliche Handlung nahm an Fahrt auf und wurde langsam aber sicher doch ganz vielversprechend.

Alles in allem fand ich Band 1 zwar unterhaltsam, aber ich wurde nicht aus den Socken gehauen. Die Geschichte war eben ganz okay. Ich mochte zwar die grundlegende Idee dahinter, aber erneut drehte sich alles umein Mädel mit Superkräften, das dazu bestimmt ist, die Welt zu retten. Den Grund für den Hype hatte ich noch nicht entdeckt, auch Bardugos Schreibstil ließ noch Luft nach oben. 

Weiter also mit Band 2. Ich hatte ja keine Ahnung was (oder besser gesagt wer) da auf mich zukommen würde. Sturmhond taucht im ersten Drittel des Buches auf, sagt ein Wort und ich habe mich isofort in ihn verliebt. Hallo neuer Lieblingscharakter! In dieser düsteren Welt voller Monster, Intrigen und Dramen kam da eben ein Freibeuter daher und brachte mich zum Lachen. Sturmhond verleiht der Handlung Auflockerung, denn er bringt witzige Sprüche und ein großes Selbstvertrauen mit sich. Das tut dem Buch wahnsinnig gut. Nicht umsonst ist Band 2 mein Lieblingsteil der Reihe!

Die Handlung nimmt in Siege and Storm deutlich an Fahrt auf. Außerdem merkt man eine deutliche Verbesserung von Bardugos Schreibstil. Es wird düsterer, aber auch so viel besser! Alina macht eine Charakterentwicklung durch, von der man sich nicht so sicher ist, ob sie gut oder schlecht ist. Sie ist wohl doch nicht dieses 0815-Mädel das die Welt retten muss und gerade deshalb schloss ich sie immer mehr in mein Herz. Auch an Maljen gewöhnte ich mich, obwohl er mir mit seiner Art immer noch tierisch auf die Nerven ging.

Mit Band 3, Ruin and Rising, kam das große Finale. Zum Glück war die ganze Reihe ein Buddy Read, denn so konnte ich all meine wirren Gedanken und Spekulationen an Caro mitteilen. Was das Ende betrifft hatte ich viele Theorien: Alina stirbt. Alina stirbt nicht, dafür aber Mal. Beide überleben, dafür verliert Sturmhond sein Leben. Oder vielleicht müssen doch alle sterben und der Darkling gewinnt. Oder umgekehrt.

Ich hatte wahnsinnige Angst um meine geliebten Charaktere, denn ohne es groß gemerkt zu haben, schlichen sich einige in mein Herz. Selbst Maljen fand ich irgendwann gar nicht mal so übel und auch der Darkling wirkte gegen Ende hin richtig menschlich. Ganz überzeugen konnte mich das Ende zwar nicht, aber ich war dennoch zufrieden gestellt. Welche meiner Theorien wahr wurde, werde ich natürlich nicht verraten!

Wenn ich das Buch las, dachte ich über das Ende nach. Wenn ich nicht las, dachte ich über das Ende nach. Ich hatte Angst davor, die Reihe zu beenden und wollte trotzdem wissen, wie es weitergeht. Wann konnte mich ein Roman das letzte Mal so zum Mitfiebern bringen, dass ich jede freie Minute an das Buch denken musste und mich darauf freute auch nur einen Satz weiter lesen zu können?

Ich liebe die Grischa-Trilogie! Obwohl ich Band 1 (gerade im Vergleich zu den anderen Teilen) nicht so sehr mochte. Obwohl ich Maljen größtenteils nervig fand. Obwohl mich das Ende nicht zu 100% überzeugt hat. Obwohl so viele Dinge besser hätten sein können.

Und doch haben mich diese Bücher in ihren Bann gezogen. Ich wollte wissen wie es weitergeht, wollte am liebsten alles sofort verschlingen und gleichzeitig noch viel mehr Zeit mit Alina verbringen. Leigh Bardugo hat einen unfassbar packenden Schreibstil und mit dem Grischa-Universum eine Welt erschaffen, die ich gerne selbst besuchen würde. Natürlich in Begleitung eines gewissen Freibeuters. 

Julia (@bumfuzzlednerd)

Verbringt ihre Zeit mit Lesen, Superhelden anschmachten und Pokémon fangen. Treibt auf Twitter und Instagram ihr Unwesen.

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