Eine Liebeserklärung an den Sommer

Als ich an diesem Tag das Haus verlasse, weht mir zum ersten Mal seit Monaten eine kühle Brise um die Nase. Ich bin überrascht. Überrascht und ein wenig wehmütig. Der Himmel ist grau, wolkenverhangen. Es müsste dringend regnen, doch obwohl bereits seit Tagen Unwetter angesagt sind, fällt kein einziger Tropfen vom Himmel. Der Rasen vorm Haus hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Dort, wo früher saftig grünes Gras wuchs, befinden sich mittlerweile nur noch braune Flecken. Alle Blumen sind vetrocknet. Die Bäume und Sträucher sehen nicht gesünder aus. Ob sich die Natur jemals wieder von dieser anhaltenden Hitzeperiode erholen wird, welche alle Pflanzen über Wochen hinweg in Mitleidenschaft gezogen hat? Im Moment kann ich es mir nicht vorstellen.

Sommer. 

Es war ein außergewöhnlicher Sommer. Heiß, trocken, sonnig. Genau so, wie ich es mag. Nach dem langen Winter hatte ich mir so sehr ein paar warme Monate gewünscht und war überglücklich, als mir meine Wetterapp Tag für Tag erneut ein Sonnensymbol und 30°C anzeigte. Endlich Vitamin D tanken. Neue Lebenskraft. Ausgebleichte Haare und rosige Wangen.

„Ich habe die Hitze satt! Ständig nur schwitzen. Kann es bitte endlich Winter werden?“, sagten sie ständig zu mir, doch alles was ich entgegnen konnte, war Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Nie im Leben würde ich mir Kälte herbeisehnen – nicht wenn ich gerade den besten Sommer meines Lebens erlebe. Und das war der Sommer 2018 definitiv! Sobald ich meine Augen schließe, sehe ich Fragmente aller Erinnerungen und Erlebnisse der letzten Monate in den schillerndsten Farben vor mir aufblitzen.

In der alten Kinderschaukel sitzen und sich lachend im Kreis drehen, während Grashalme an den Sohlen kitzeln.
Der neuentdeckte Geschmack von KitKat-Eis auf der Zunge.
Durch unbekannte Straßen laufen und Fotos schießen.
Sonnenbrand an den Armen, weil ich mal wieder zu faul war, mich mit Lichtschutz einzucremen.
Über diese verdammten Mückenstiche ärgern.
Abends stundenlang auf der Terasse sitzen, die Zeit vergessen und beobachten, wie die Sonne hinter den großen Tannen verschwindet.
Voller Freude den Lieblingsrock aus dem Schrank holen.
Open-Airs, laute Musik und tausende Lichter in der Dunkelheit.
Dieser eine Song, immer und immer wieder in voller Lautstärke.
Sonnenstrahlen auf der Haut.

Das ist Sommer. Nicht einfach nur eine Jahreszeit oder ein Datum im Kalender. Es ist ein Lebensgefühl. Das Versprechen, bereitwillig neue Herausforderungen anzunehmen und sich von nichts und niemanden die Laune verderben zu lassen. Ich habe mich daran gehalten. Doch auch wenn ich es mir wünschen würde, ist kein Sommer unendlich und sein Ende lässt sich nicht länger leugnen. Ich merke es am Geruch der Luft, den Farben vor meinem Fenster und der tief stehenden Sonne. Der Herbst steht vor der Tür, klopft zaghaft an und obwohl ich schon immer eine Liebhaberin seiner Farbenpracht war, möchte ich ihn noch nicht begrüßen müssen. Ich bin nicht bereit für Dunkelheit und kalte Hände.

Sommer, willst du nicht noch eine Weile bleiben?
Muss man wirklich gehen, wenn es am schönsten ist? 

Ein Blick in die Frontkamera des iPhones. Meine Haare sehen strapaziert aus, doch ich bringe es nicht übers Herz, die von der Sonne gebleichten Spitzen einfach abzuschneiden. Sie erscheinen mir wie ein Andenken an die zahlreichen Stunden im Freien. Abschiede sind nie schön. Egal worum es geht. Fröstelnd mache ich es mir am Beifahrersitz des Autos bequem. Vielleicht wäre eine Strickjacke anstatt des dünnen T-Shirts doch angebracht gewesen. Was soll’s. Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren und klicke auf Play, in der Hoffnung, das Unvermeidliche noch etwas hinauszögern zu können. Vielleicht kann ich mir meine sommerliche Stimmung ja so eine Weile bewahren, sie konservieren und bei Bedarf heraufbeschwören. Alles was mir in diesem Moment vom Sommer bleibt, ist eine digitale Playlist, welche die vergangenen Monate musikalisch zusammenfasst.

Sommer, ich liebe dich und möchte dir danken. Für deine Ausdauer und deine Schönheit. 
Wir sehen uns wieder. Ganz gewiss. 

Eine Liebeserklärung an den Sommer

Comments (4)

  • Avatar

    Zeilentänzerin

    Deine Bilder sind wieder wunderschön. Ich muss gestehen, den Sommer nicht so sehr zu mögen wie du. Ich freue mich schon sehr auf den Herbst, weil ich mit der Hitze schwer umgehen kann. Hier hatte es häufig an die 40 Grad und das war mir einfach too much.

    Zeilentänzerin

    Reply

    • Avatar

      Carolin

      Dankeschön! Ich persönlich bin ein totales Sommerkind. Zwar mag ich die anderen Jahreszeiten zwar auch sehr gerne, aber nichts geht über Sommer! Allerdings sind über 40 Grad tatsächlich etwas too much.

      Reply

  • Avatar

    Tabea

    Ach Mensch, das ist so ein Post, der einfach perfekt passt. Um mich rum fluchen auch alle über Hitze und Trockenheit – aber ich liebe das Wetter. Ich habe es sooo sehr geliebt. Aber jetzt, wo ich Urlaub hatte, war das mit dem Sommer natürlich wieder Vergangenheit :(
    Das Problem mit der Kleidung habe ich im Moment auch ständig. Entweder zu viel oder zu wenig – nie die richtige Menge an Stoff an meinem Körper. Auch das ist was, was ich am Sommer liebe: Wenn mir da zu warm war, war es nie meine Schuld :D Aber wenn man friert, heißt es immer, man hätte mehr anziehen sollen.

    Liebe Grüße

    Reply

    • Avatar

      Carolin

      Hihi, endlich jemand, der mich versteht. Trockene Hitze ist sooo toll! Klar, für die Natur ist es nicht besonders gut, aber ich liebe einfach das Gefühl, wenn ich kurze Sachen tragen kann und trotzdem nicht friere.

      Reply

Leave a comment

Coralinart Newsletter
Verpasse keine Neuigkeiten mehr und erhalte exklusive Freebies.  
No Thanks
Vielen Dank für die Anmeldung! Du hast eine Email zur Bestätigung erhalten.
Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.
Don't miss out. Subscribe today.
×
×