Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Ich glaube, ich habe mich verliebt! Im September war ich einen Tag lang in Venedig und während dieses kurzen Aufenthalts hat die Stadt es geschafft, ganz klammheimlich mein Herz zu erobern. Das kam unverhofft, dachte ich bei Venedig bis dahin doch in erster Linie an Menschenmassen und eine Art italienisches Disneyland. Natürlich ist Venedig ein touristischer Hotspot, aber ich wurde dennoch positiv überrascht.

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Auf vier Rädern durch die Stadt der tausend Brücken

Die meisten hier werden sich nun wahrscheinlich denken: „Ist die noch ganz dicht? Wie soll man denn als Rollstuhlfahrer/in eine Reise nach Venedig machen?“ Tatsächlich ist Venedig auch unter dem Namen Stadt der tausend Brücken bekannt, aber trotzdem weitaus barrierefreier, als man vermuten würde. Viele Stadtteile sind mittlerweile mit dem Rollstuhl zugänglich, indem Rampen an den großen Brücken angebracht wurden. Zudem sind viele der Vaporetti auch auf beeinträchtigte Fahrgäste ausgerichtet. Bei einer Anreise mit dem Auto ist es am praktischsten, das Fahrzeug auf der Parkinsel Tronchetto abzustellen. Von dort ist es nicht weit bis zur Fähre, die ins Innere von Venedig führt.

Zugegeben, ich bin etwas unvorbereitet und vielleicht auch naiv an den Trip herangegangen, denn im Vorfeld habe ich mich lediglich sporadisch informiert. Über Google bin ich auf diese Website mit barrierefreien Karten, sowie Tipps für die Reise gestoßen. Davon abgesehen war mir nicht ganz klar, worauf ich mich mit diesem Trip eigentlich einlasse. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich keinen Elektrorollstuhl benutze, da mir die Steuerung eines Joysticks o. Ä. schwer fällt. Stattdessen besitze ich einen sogenannten Reha-Buggy, der zwar nicht allzu hübsch aussieht, dessen großer Vorteil aber in der Leichtigkeit und Geländegängigkeit liegt. Man kann mich darin auch leicht mal ein paar Stufen hinauftragen. Dadurch erreiche ich Orte, die mit E-Rollis nicht zugänglich wären und kann etwas spontaner sein. Zwar sind viele Teile Venedigs barrierefrei, doch beschränkt sich dies eher auf die großen Brücken und Piazzas.

Wer auf den Elektrorollstuhl angewiesen ist, sollte besser planen, als ich es getan habe und sich schon vor der Ankunft eine Route auf der Karte herauspicken. Falls man Hilfe benötigt, gibt es jedoch immer freundliche Menschen vor Ort, die Auskunft geben können. Venedig mit dem Rollstuhl zu erkunden ist also durchaus möglich und benötigt nicht erheblich mehr Vorbereitung, als andere Reiseziele.

Die beste Zeit für einen Trip nach Venedig

Ich habe mir sagen lassen, dass in Venedig das ganze Jahr über reges Treiben herrscht und die vielen Gassen mit Touristen überlaufen sind. Im Hochsommer kann man sich auf dem Markusplatz wohl kaum bewegen, da sich dort so viele Reisegruppen mit ihren Selfiesticks und Fotoapparaten tummeln. Anhand dieser Erzählungen habe ich mir schon das Schlimmste ausgemalt und war schließlich sehr überrascht, als sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiteten. Natürlich ist in Venedig immer Betrieb und man wird wohl kaum einen Tag erleben, an dem man keine Menschenmassen antrifft. Auch während meines Trips dorthin waren die Vaporetti stets voll und die berühmten Sehenswürdigkeiten gut besucht, doch ich hatte es mir wesentlich schlimmer vorgestellt.

Aus diesem Grund würde ich jedem raten, die Stadt außerhalb der Saison zu besuchen. Eine gute Zeit für eine Reise nach Venedig wäre zum Beispiel Mitte September, denn zu diesem Zeitpunkt sind die Sommerferien schon vorbei und man hat trotzdem noch die Chance auf gutes Wetter. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ein Besuch im Oktober oder November ebenfalls sehr reizvoll sein könnte. In jedem Fall ist es ratsam, die Monate Juni bis August zu meiden. Niemand hat Lust, sich von tausenden Menschen durch enge Gassen schieben zu lassen. Besonders im Rollstuhl ist es eine ziemliche Qual, immer darauf achten zu müssen, nicht jedem Passanten über die Füße zu fahren.

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Schnell und bequem: Venedig mit dem Vaporetto erkunden

Die beste Möglichkeit in einem begrenzten Zeitraum möglichst viel von Venedig zu sehen, sind eindeutig die Vaporetti. Das Netz der Fährverbindungen ist gut organisiert und äußerst pünktlich, sodass fast jeder Punkt der Stadt leicht zu erreichen ist. Wer einen Behindertenausweis besitzt, kann einen Fahrschein für sehr günstige 1,50 EUR pro Fahrt inklusive Begleitung lösen. Alle anderen Besucher sind mit einem Tagesticket bestens bedient. Der größte Vorteil der Vaporetti ist, dass man einen groben Überblick über die Stadt erhält, ohne ständig über Brücken und Treppen steigen zu müssen. Ich begann meine Tour mit der klassischen Route vom Bahnhof durch den Canale Grande, bis zum Markusplatz. Viele der bekannten Sehenswürdigkeiten ziehen hier schon an einem vorbei.

Im Laufe des Tages bin ich auch noch einige Male mit dem Schiff gefahren und habe das Zentrum der Lagunenstadt in Richtung Murano fast gänzlich umrundet. Besonders am Abend, wenn die untergehende Sonne über dem Wasser glitzert und der Himmel sich rot färbt, ist dies ein unvergesslicher Anblick! Allgemein entfaltet Venedig erst abends seinen vollen Charme, weswegen ich jedem empfehlen würde nach Sonnenuntergang noch eine Weile entlang der Kanäle zu schlendern. Falls die Möglichkeit dazu besteht, lohnt sich eine Übernachtung. Meiner Meinung nach ist dies die beste Möglichkeit eine Stadt wirklich kennenzulernen.

Doch um noch einmal auf die Vaporetti zurückzukommen: eine Fahrt damit ist wirklich unkompliziert und preiswert. Allerdings darf man sich am Schaukeln der Boote nicht stören, da der Wellengang zeitweise auch etwas stärker sein kann. Somit sind die Schiffe nichts für Leute die leicht seekrank werden. Viele Linien verfügen über Rampen für Rollstühle, sowie einen extra Platz neben dem Steuerhaus. Jene sind zwar nicht sehr großzügig, garantieren aber einen sicheren Transport. In der Regel scheut sich das Schiffspersonal nicht, auch mal mit anzupacken und den Rollstuhl an Bord zu bringen.

Wanderlust und La Dolce Vita

Natürlich gibt es in Venedig sehr viel zu sehen! Der Campanile, der Dogenpalast oder auch die Rialtobrücke sollte man bei einem Urlaub in Venedig auf jeden Fall gesehen haben. Allerdings bin ich ein großer Fan davon, sich in einer unbekannten Stadt einfach treiben zu lassen und finde es interessant, auf diese Weise Plätze abseits der Touristenströme zu entdecken. Venedig bietet unzählige verwinkelte Gassen, die sich immer wieder mit malerischen Plätzen abwechseln. Man könnte dort tagelang umherwandern und hätte trotzdem noch nicht alles gesehen. Außerdem halte ich es für wichtiger, das Flair einer Stadt zu genießen und deren Athmosphäre aufzusaugen, statt nur von einem Hotspot zum nächsten zu hetzen.

Italien ist das Land von Gelato. Egal, wo man vorbeikommt, das Eis schmeckt immer köstlich! Die Gelaterias in Venedig sind hierbei keine Ausnahme und ich kann nur jedem ans Herz legen, sich an den Kanal zu setzen, die Gondeln zu beobachten (an dieser Stelle muss ich die romantische Vorstellung von singenden Gondoleuren leider zerstören… in Wahrheit starren sie nur aufs Smartphone) und dabei ein leckeres Eis zu schlecken. So fühlt sich La Dolce Vita an!

Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

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Venedig mit dem Rollstuhl (und zu Fuß) – Was du wissen solltest

Warst du schon einmal in Venedig? Wenn ja, wie hat dir die Stadt gefallen?

Comments (12)

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    Mira

    Venedig ist ein absoluter Traum von mir – sehe in letzter Zeit so viele Bilder von dort und finde es einfach wahnsinnig beeindruckend! Umso mehr hab ich mich auch über deine Eindrücke gefreut. <3 Wirklich richtig schön. <3

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      Carolin

      Lustigerweise sehe ich auch vermehrt Bilder von Venedig im Internet, seit ich selbst dort war.
      Die Stadt ist einfach malerisch! <3

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    glimrende

    Oh wow, wunderschöne Bilder. Ich war noch nie in Venedig und bin ein bisschen zwiegespalten , weil es häufig als so extrem touristisch und überlaufen beschrieben wird. Wenn man Deine Fotos sieht, will man trotzdem hin.

    Außerdem freut es mich sehr, dass Du trotz Deines Rollstuhls/Buggys so super zurecht gekommen bist.

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      Carolin

      Vielen Dank! Die meisten Bilder habe ich nur mit dem IPhone gemacht und bin selbst überrascht, wie gut sie geworden sind. Klar, ist Venedig sehr touristisch, aber ich hatte mir vorher schon das Schlimmste ausgemalt und war dann vielleicht auch deswegen positiv überrascht, als sich die Menschenmassen in Grenzen hielten. :) Ich glaube jedoch, zur Hauptsaison ist das ganz anders und deswegen würde ich jedem empfehlen, lieber im Frühling oder Herbst nach Venedig zu reisen.

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    Christine

    Ich liebe Venedig ja total! War auch schon ein paar Mal dort und hoffe, dass unsere Pläne aufgehen und ich nächsten Karneval wieder dort bin. Ja, da wird es dann so richtig voll, aber ich glaub es gibt keine magischere Zeit da. ;)

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      Carolin

      Ich werde sicherlich auch irgendwann noch einmal nach Venedig fahren, da es dort einfach so viel zu sehen gibt. Drücke dir die Daumen, dass deine Pläne aufgehen. Zur Karnevalszeit ist die Stadt bestimmt auch sehr interessant. :)

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    Nicole

    Du weißt ja, dass ich auch schon in Venedig war, aber von der Stadt leider nicht so begeistert. Ich hatte ehrlich gesagt aber auch überzogene Erwartungen durch all die Hollywoodfilme. Klar, dass Venedig dem nur schwer gerecht werden konnte. Am Ende fand ich die Stadt dann sehr überteuert (was ich gewusst hätte wenn ich mal recherchiert hätte) und das wir uns dann auch noch verlaufen habe, machte es auch nicht besser. Mein Tag dort endete mit einem Hitzestich. Somit habe ich da eher schlechte Erinnerungen dran :D.

    Aber es gab natürlich auch ein paar Bauwerke die mich beeindruckt haben, nur fühle ich mich am Gardasee oder auch in Jesolo (wo wir damals Urlaub gemacht haben) wohler. Freut mich aber, dass dir die Stadt gefallen hat und dich in sie verliebt hast. Dann hat sich der Ausflug doch gelohnt. Deine Bilder sind auch klasse geworden.

    Dankeschön, das freut mich zu hören. Ich hoffe dann natürlich, dass dir die Cafes genauso gut gefallen :).

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      Carolin

      Echt schade, dass dich Venedig nicht so begeistern konnte. Ich bin ja wie gesagt ohne große Erwartungen an die Sache herangegangen und hatte mich zuvor auch nicht wirklich informiert, aber trotzdem hat Venedig mich dann positiv überrascht und ich werde sicherlich in ein paar Jahren nochmal wiederkommen. Ein Tag ist nämlich viel zu kurz um die gesamte Stadt erkunden zu können. Ein Sonnenstich ist aber wirklich blöd. Da glaube ich dir, dass du keine allzu guten Erinnerungen an den Tag in Venedig hast.

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    Zeilentänzerin

    Sehr schöne Bilder. Ich war schon mehrfach in Venedig und mochte es immer.

    Liebe Grüße

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      Carolin

      Dankeschön! :)

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    Anne

    Danke für den Reisebericht – der macht mit den tollen Fotos auf jeden Fall Lust, dort mal hinzufahren! Ich hab’s tatsächlich noch nie nach Italien geschafft.

    Bei der Passage über die aufs Smartphone starrenden Gondoleure musste ich gerade lachen – obwohl es schon irgendwie traurig ist. Von den Fahrgästen in den Öffentlichen über Mütter auf Spielplätzen hin zu solchen Leuten…alle gucken sie bloß auf’s Handy. Moderne Zombies. :/

    Liebe Grüße
    Anne

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      Carolin

      Danke für den lieben Kommentar und freut mich, dass ich dir ein wenig Lust auf Venedig machen konnte. Ist wirklich wunderschön dort! :)
      Aber es ist tatsächlich ziemlich traurig, dass sich ganze Welt so sehr von Smartphones vereinnahmen lässt.

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